Sie haben den Osten nie verstanden

Das Jahr 2019 stand politisch unter dem Vorzeichen der drei Ostwahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen. Auch 30 Jahre nach dem Mauerfall haben viele westdeutsche Eliten, Politiker und Intellektuelle den Osten immer noch nicht verstanden. Schon vor den Wahlen und jetzt danach noch einmal intensiver sind die Talkshows, Kolumnen und Feuilletons voll mit Erklärungsansätzen, wie es die AfD schaffen konnte in jedem Bundesland ein Viertel der gesamten Wählerschaft für sich zu gewinnen und zur zweitstärksten Kraft in den ostdeutschen Parlamenten avancieren.

Dabei bedient man sich immer wieder den gleichen paternalistischen und belehrenden Mustern, dass die Menschen im Osten einfach nie wirklich Demokratie gelernt haben. Eine Frechheit, wenn man bedenkt, dass es die Ostdeutschen waren die erstmals als Volksbewegung eine 40 Jahre lange Diktatur in die Knie gezwungen haben. Wo gibt es bessere historische Beispiele für demokratischen Bürgersinn in Mitteleuropa?

Alle Erklärungsansätze laufen immer Ergebnis immer auf das Ziel hinaus, die ostdeutschen Bürger wieder in die wohlige Atmosphäre der Altparteien zu holen. Das ist pure Heuchelei. Sie versuchen die AfD immer noch als politischen und gesellschaftlichen Betriebsunfall darzustellen, der hoffentlich bald wieder verschwindet. Doch die AfD ist gekommen, um zu bleiben. Die Altparteien werden sich damit abfinden müssen, dass es eine neue politische Kraft gibt, die das zurückgelassene Feld echter patriotischer, konservativer und bürgerlicher Politik füllt. Auch ihr politischer Kartellblock und die inhaltlichen Verrenkungen zu immer wahnwitzigeren Koalitionen werden nicht helfen, dass ihre Hochzeit abgelaufen ist und mit jeder weiteren Ausgrenzung und Isolierung die AfD nur noch stärker wird.

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