Ausfall wegen Distanzeritis

Ausfall wegen Distanzeritis

Kunst I

Wenn man in Leipzig Kunst verkaufen und davon leben will, braucht es mehrere Helfer: eine kreative, neue Inspiration, einen cleveren Galeristen und-oder einen in der Szene schon bekannten Namen. Soweit so gut. Neuerdings hilft es auch, sich von einem AfD-nahen Künstler öffentlich zu distanzieren. Das macht zwar das eigene Werk nicht unbedingt besser, aber die mediale Aufmerksamkeit lenkt den Fokus der politisch Korrekten auf die künstlerisch Korrekten. Kunst regt Gefühlserlebnisse an, so auch das, sich korrekt zu fühlen beim Schaffen und Kaufen.

Die Leipziger Jahresausstellung e.V. bot über viele Jahre einem vielfältigen Künstlerspektrum eine Möglichkeit, bei einem breiten Publikum bekannt zu werden. Das ist jetzt vorbei, im schlimmsten Fall für immer.

Kreativität und Effizienz braucht der Künstler, manchmal auch ein Studium, um wirkungsvolle Ausdrucksmittel einzusetzen. Was der Künstler durchaus haben kannn, aber nicht notwendigerweise braucht, ist politische Korrektheit, denn die Bewertung eines künstlerischen Werkes hängt , bezogen auf den Rezipienten, von dessen Persönlichkeit und vom Geschmack ab.

Der politisch korrekte Künstler allerdings braucht einen echten Feind:Die gedankliche oder tatsächliche Nähe eines konkurrierenden Künstlers zur AfD und Galeristen, die dessen Werke zeigen. Endlich jemanden gefunden: Die Organisatoren der Jahresausstellung!

Sie wehren sich zunächst, erfolglos. Das Ausstellen eines freien künstlerischer Ausdrucks wird nun einer Gedankenzensur unterworfen, der Ausstellende antizipiert Repressionen , fühlt sich unausgesprochen bedroht. Die Folge: Er wägt gedanklich ab, ob er in die innere Emigration gehen soll oder nicht ausstellen oder nachgeben und sich anpassen an den gewünschten Zeitgeist. Letzteres ist das Ende der Kunst.

Sie verinnerlichen die politisch korrekten Anforderungen und präsentieren aus Angst oder aus Geldnot affirmative Werke. Da nützt auch Artikel 5 GG nichts: ist der Druck zu groß, wird er aufgeben oder provozieren. Beides ist menschlich nachvollziehbar.

Kunst II

Was war passiert? Glaubten die 10 politisch korrekten, hoffnungsvolln Künstler , dass ihr eigenes Werke die Nähe des Werkes eines politisch nicht korrekten Künstlers unmöglich ertragen könnten? Dass sie niemals neben einem solchen hängen dürften?

Dann tritt er oder sie unter großem medialen Getöse in die Öffentlichkeit und distanziert sich von dieser Zumutung. Verweise des Vorstandes des Vereins auf die Freiheit der Kunst nützen nichts mehr. Angst frisst Mut. Ausbleibende Fördergelder die Freundschaft. Sorge vor materieller Not die Tugend.

Schnell hat das politisch Gute es vollbracht: Der Vorstand ist geschlossen zurückgetreten, die Jahresausstellung abgesagt. Was für ein fulminanter Sieg über die Freiheit.

Kunst III

Eine wunderbare Leipziger Tradition ist vernichtet worden, die auf dem ehrenamtlichen Engagement kunstinteressierter Bürger basierte. Was für ein gigantischer, nicht wieder gutzumachender Schaden. Schuld ist natürlich: die AfD. Wer sonst?

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